25.08.2026

POSTSPORTVEREIN PRESSEMELDUNG: Der Post SV Wien in Existenzkrise: Post AG muss Ausschreibung stoppen

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Ausschreibung entzieht dem gemeinnützigen Verein die wirtschaftliche Grundlage. 25.800 Wiener:innen fordern Schutz des größten gemeinnützigen Sportvereins und des Postsportareals in Hernals. Ausschreibung muss gestoppt und der Postsportplatz zu 100 Prozent gemeinnützig bleiben.

Wien, 25.08.2026. Der Post SV, Wiens größter und erfolgreichster Nachwuchs- und Amateursportverein mit 5.000 Sportler:innen, 15 Sektionen und 2.000 trainierenden Kindern und Jugendlichen, ist existenzgefährdet. Grund: Die Österreichische Post AG – ein teilstaatliches Unternehmen mit 3 Milliarden Euro Jahresumsatz (2025) – hat am 2. Juli 2026 die 15 Hektar große Sportanlage europaweit in einem dreiteiligen Vergabeverfahren ausgeschrieben.

Wie die Post AG ihre Zusage aufgelöst hat
Noch 2020 versichert die Österreichische Post AG öffentlich in einer Presseaussendung mit dem Titel „Österreichische Post AG sichert langfristig Postsportplatz Hernals“: „Der Postsportplatz soll auch künftig identitätsstiftender Teil eines lebenswerten Hernals und die Heimat des Wiener Postsportvereins sein.“ Unter den ausdrücklich genannten Zielen nannte die Post AG die „langfristige Sicherung und Weiterbestehens des traditionsreichen Wiener Postsportvereins sowie die Modernisierung und den Ausbau der Sportanlagen.“
2026 ist diese Zusage einseitig aufgelöst. Durch die geplante Konzessionsvergabe der Post AG werden nun dieselben Flächen ohne jede Betreiber-Garantie für den Post SV europaweit ausgeschrieben.

Unbefristeter Vertrag und Sportstättenschutzgesetz
Der Post SV bewirtschaftet das Postsportareal seit 1973 auf Basis eines unbefristeten Mietvertrags. Diesen Vertrag schützt das österreichische Sportstättenschutzgesetz aus dem Jahr 1990 zwingend. Das bedeutet: Eine Beendigung des Mietverhältnisses ist der Post AG nur durch eine gerichtliche Kündigung und aus wichtigen Gründen möglich. Bis heute liegt eine solche nicht vor.
Die Vereinbarung zwischen Post AG und Post SV aus dem Jahr 2022 ändert an dieser Grundlage nichts. Sie ergänzt lediglich den Mietvertrag aus 1973.

„Für den Post SV Wien ist daher nicht nachvollziehbar, wie dieselben Flächen ausgeschrieben werden können, für die ein aufrechtes, unbefristetes, gesetzlich geschütztes Bestandverhältnis besteht,“ sagt Clemens Rarrel, Vorstand des Post SV Wien. „Warum hat die Post AG nicht alternative, rechtlich konforme Möglichkeiten zur Ausschreibung, etwa ein Gutachterverfahren, gewählt? Der gemeinnützige Sport wird durch die Ausschreibung zurückgedrängt, Kinder und die Allgemeinheit werden künftig die Zeche dafür zahlen.“



Ausschreibung bedeutet das wirtschaftliche Ende des Post SV in seiner jetzigen Größe und Vielfalt
Die Ausschreibung spaltet das bislang integriert betriebene Areal strategisch in drei Teile. Die ertragreichen Bereiche – Tennishalle, 4 Beachvolleyballplätze sowie 27 Tennisplätze, die unter anderem an gemeinnützige Tennisvereine mit integrierten Tennisschulen untervermietet waren – werden gezielt herausgelöst und sollen an kommerzielle Investoren und Betreiber vergeben werden. Übrig bliebe der teure, ertragsschwache gemeinnützige Kern mit 3 Fußballplätzen, Tennisplätzen und einem Hockeyplatz – der eigenständig ausgeschrieben ist.

Der Post SV verliert durch diese Aufspaltung rund eine Million Euro an Jahreseinkommen – mehr als die Hälfte seiner Einnahmen. Diese sind aber notwendig, um den Betrieb, die Sportanlagen oder die leistbaren Mitgliedsbeiträge zu erhalten und in die Modernisierung der Sportstätte zu investieren.

Gleichzeitig entstehen neue, massive und teils noch gar nicht bekannte Kostenlasten und Risiken durch die Ausschreibung:

  • Die geplante neue Sporthalle soll zu „marktüblichen Preisen“ angemietet werden, das heißt um ein Vielfaches zu den jetzigen Hallenkosten.
  • Gebäudeinfrastrukturen wie Kabinen, Büros und Lagerräume müssen ebenso künftig durch den gemeinnützigen Betreiber angemietet werden.
  • Die Sanierung der Sportflächen und der technischen Infrastruktur muss durch den gemeinnützigen Betreiber auf seine Kosten erfolgen.
  • Die öffentlich zugänglichen Durchwegungen in alle Richtungen durch das große Areal sollen vom künftigen gemeinnützigen Betreiber gepflegt und unterhalten werden (!) – mit Winterdienst und persönlicher Haftung des Vorstands, obwohl die Kostenbeteiligung von Dritten nur „vorgesehen", nicht zugesichert ist.
  • Hinzu kommt noch: Sollte es zu einer Quartiersentwicklung („Verbauung“) mit 6 bis 8 Jahren Bautätigkeit kommen, müsste der Betreiber dies entschädigungslos dulden – bei gleichzeitig unterbrechungslos aufrechtzuerhaltendem Sportbetrieb.

Bei einem Gesamtbudget eines gemeinnützigen Vereines wie dem POST SV von etwa 1,8 Millionen Euro ist dies nicht finanzierbar.Eine Million Euro Einnahmenverlust plus massive neue Kostenlasten und nicht einschätzbare Risiken entsprechen wirtschaftlich dem Ende des Vereins in seiner jetzigen Größe und Vielfalt. Vor allem die großen Ballsportsektionen des Post SV (Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Hockey), die erfolgreich im Meisterschaftsbetrieb stehen und die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen organisieren, sind in großer Gefahr.

Die Lücke: Was die Post AG verspricht und was sie tatsächlich ermöglicht
Nicht nur der Post SV wäre damit am Ende. Keine gemeinnützige Sportanlage in Wien kann unter diesen Bedingungen überleben. Das zeigt ein grundsätzliches Problem: Die Post AG kommuniziert gegenüber der Öffentlichkeit seit Monaten, sie „verpflichte sich zum Erhalt des Postsportplatzes in Hernals und des gemeinnützigen Sports, der im bisherigen Umfang erhalten bleibt“. Das ist unter den Ausschreibungsbedingungen schlichtweg unmöglich. Will die Post AG tatsächlich den gemeinnützigen Sport im gleichen Umfang wie bisher erhalten, müssen ihren Worten auch dementsprechende Taten folgen.

Wann reagiert die Stadtpolitik?
Der Fall bewegt die Wiener Öffentlichkeit: Mehr als 25.800 Menschen haben die Petition „Rettet den Post SV und den Postsportplatz für alle“ unterschrieben. Der Wiener Gemeinderat hat sich Ende April 2026 parteiübergreifend in einer einstimmigen Resolution für den Erhalt, die Gemeinnützigkeit und den Post SV ausgesprochen. Die Bezirksvertretungen Hernals und Währing ebenso im Juni 2026, aber auch die SPÖ Wien Landeskonferenz und weitere politische Parteien fordern alle dasselbe: dass der Postsportplatz gemeinnützig bleibt und weiterhin Heimstätte des Post SV bleibt sowie leistbarer, niederschwelliger Zugang zu Sport gesichert ist. Gemeinwohl vor Profit – das ist der klare Tenor der Beschlüsse.

Nun sind konkrete Maßnahmen fällig, damit der Postsportplatz zu 100 Prozent gemeinnützig bleibt und weiterhin die Heimstätte des POST SV bleiben kann. Die Stadt Wien, genauer die zuständigen Stadträt:innen für Stadtentwicklung und Sport müssen sich klar positionieren. Denn es ist die Stadt Wien, die bei der Entwicklung des Postsportareals mit ihrer Widmungskompetenz den entscheidenden Hebel für den Schutz dieser Infrastruktur in der Hand hat.

Erfüllt die Stadt Wien der Post AG ihren Wunsch einer geplanten Umwidmung von großzügigen Teilen des Postsportplatzes von Erholungs- und Sportflächen in Bauland kommt der Post AG eine erhebliche Wertsteigerung des Grundstücks zugute. Für ein Grundstück, das sie selbst bei der Teilprivatisierung von der öffentlichen Hand geschenkt bekommen hat. (Der Postsportplatz ist durch die Widmungskategorie Esp – Grünland und Erholungsgebiet Sport- und Spielplätze im Flächenwidmungsplan der Stadt Wien geschützt. Eine Umwidmung erfolgt durch den Gemeinderat.)

„2.000 Kinder und Jugendliche aus über 40 Nationen gehen auf dem Postsportareal Woche für Woche ihrem Sport nach. Der Verein erfüllt hier unbezahlbare Aufgaben für unsere Gesellschaft und die Lebensqualität in Wien. Die Kinder und ihre Familien dürfen nicht im Regen stehen gelassen werden“,
betont Rarrel.

Es gibt eine einfache Lösung
Der Post SV schlägt vor, dass die bisherige Ausschreibung gestoppt wird und stattdessen eine Private-Public-Community-Partnerschaft entwickelt wird. In diesem Modell:

  • bleibt die Post AG Eigentümerin des Areals und trägt keine Betriebskosten
  • bleibt der Post SV Kernbetreiber des gesamten Sportareals
  • wird die Stadt Wien Förderpartner im Rahmen verfügbarer Möglichkeiten und Förderprogramme.

Post AG und Stadt Wien konzentrieren sich gemeinsam auf die Modernisierung der Infrastruktur und die Entwicklung der Randflächen für leistbaren Wohnbau. Die Post AG erzielt dabei durch Umwidmungen und Bebauung von Teilflächen erhebliche Wertsteigerungen. Alle drei Akteure und vor allem die Wiener und Wienerinnen gewinnen. Der Gemeinnutz bleibt erhalten.

„Eine solche Einigung ist nach wie vor relativ schnell und rechtlich einwandfrei machbar“, betont Rarrel. „Es braucht dafür nur den politischen Gestaltungswillen und soziale Verantwortung in Form des Entgegenkommens der Post AG. Lasst uns eine Infrastruktur erhalten, statt zu zerstören. Eine Infrastruktur die sportlich, sozial und gemeinnützig funktioniert, sich selbst trägt, und die tausenden Menschen täglich Zugang zu leistbarem, vielfältigem Sport im Westen Wiens ermöglicht.“

Ausschreibung muss gestoppt werden
Der Post SV fordert:

  • Die Post AG stoppt die Ausschreibung in der derzeitigen Form.
  • Bürgermeister Ludwig und Stadträtin Sima bekennen sich aktiv zum Schutz der gesamten Sportfläche im Sinne der Gemeinnützigkeit und nutzen die Widmungskompetenz, um die Kommerzialisierung von Teilen des Areals zu verhindern.
  • Stadtrat Hacker initiiert konstruktive Verhandlungen zwischen Post AG, Stadt Wien und Post SV für ein tragfähiges Zukunftskonzept. Mit den Erfahrungswerten von mehr als 150 im Eigentum der Stadt Wien befindlichen Sportstätten, weiß die Stadt Wien genau, was ein gemeinnütziger Sportverein zu leisten in der Lage ist.

Der Postsportplatz muss, wie seit 1937 – also bald 90 Jahre – weiterhin zu 100 Prozent gemeinnützig bleiben. Nicht aus nostalgischen Gründen, sondern weil es funktioniert und weil eine Stadt, die ihre Kinder und ihre Bürger ernst nimmt, solche Infrastrukturen schützt.

Rückfragen & Kontakt:
Clemens Rarrel
Vorstand Post SV Wien
Telefon: +43 676 6747974
E-Mail: clemens.rarrel@postsv-wien.at

Bildmaterial
© El Maximus Manfredo Photography

Der gemeinnützige Postsportverein Wien zählt zu den traditionsreichsten und größten Sportvereinen Österreichs und betreibt am Postsportplatz in Wien-Hernals das größte zusammenhängende Sportareal des Landes. Auf rund 15 Hektar bietet der Verein ein breites Sportangebot mit etwa 15 Sektionen – darunter Fußball, Tennis, Hockey, Handball, Basketball, Volleyball und Minigolf. Insgesamt nutzen rund 5.000 Sportlerinnen und Sportler die Anlage, davon etwa 2.000 Kinder und Jugendliche, die hier regelmäßig trainieren und betreut werden. Seit Jahrzehnten steht der Postsportverein Wien für leistbaren Zugang zu Sport, qualitätsvolle Nachwuchsarbeit sowie für gelebte Gemeinschaft und Integration in der Wiener Vereinslandschaft.

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